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Heute bin ich entlassen worden, endlich. Naja, eigentlich habe ich mich selbst entlassen, ich glaube, die hätten mich auch noch länger dabehalten. Aber mir fiel nun langsam doch die Decke auf den Kopf dort. Viel wird ja nicht gemacht mit einem in der Psychiatrie. Man hängt einfach nur dort rum und geht ab und an zu einer der Therapien. Reden tut das Personal nicht mit einem. Selbst wenn es einem sehr offensichtlich schlecht geht, es kommt niemand auf einen zu, außer die anderen Patienten. Ich habe mich in den ersten paar Tagen so furchtbar alleingelassen gefühlt dort und nur in meinem Bett gelegen. Teilweise weinend. Wenn ich den SvV – Drang nicht mehr ausgehalten habe, habe ich mich im Schwesternzimmer gemeldet und bekam eine Tavor. Mehr nicht. Selbst dann hat man nicht geredet. Ist das überall so üblich? Ich meine… Wofür bekommen die ganzen Pfleger denn ihr Geld? Nur fürs im Stationszimmer sitzen und stricken? Und ab und zu ein paar Pillen rauswerfen?

Wenigstens hatte ich während der Zeit dort vier Gespräche mit einer Therapeutin.

Ich weiß nicht, ob und was der Aufenthalt gebracht hat. Es war ein kurzes „Stopp!“ mitten im durchs Leben rasen, eine Pause. Nur ob mir wirklich geholfen wurde, weiß ich nicht. Mein Medikament wurde wieder hochdosiert auf 150 mg, als nach einer Woche die 75 mg immer noch nicht anschlugen. Das wird wohl auch der Grund sein, warum es mir nun wieder etwas besser geht.

Ich soll eigentlich wieder ambulant weiter Therapie machen, aber ich habe keine Lust. Ich bin irgendwie therapiemüde. Wenn ich nur daran denke, sträubt sich in mir alles. Nicht zuletzt auch, weil ich die Hoffnung, dass die depressive Störung je verschwindet, verloren habe. Ich werde den Teer nie wieder los. Er hat sich festgesetzt und ist eine Symbiose mit meiner Existenz eingegangen.

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