Es ist nun einige Zeit verstrichen seit meinem letzten Eintrag. Zwischendrin ging es mir gut, ich dachte, ich sei über den Berg, aber im Moment gehts mir wieder gar nicht gut. Ich fühle mich so labil wie… keine Ahnung. Ich fühle mich völlig haltlos, heimatlos, ängstlich, vertrauenslos und was das schlimmste ist: hoffnungslos. Ich könnte natürlich wetten, dass die letzte Dosisreduzierung zum großen Teil die Ursache ist. Ja, ich habe weitergemacht, trotz meines Zustandes letzten Monat. Ich war stur geblieben, habe es ausgehalten und es ging mir tatsächlich besser. Es hat länger gedauert als die 10 Tage „Unruhe“, die der Psychiater mir als Möglichkeit genannt hatte, aber es ging vorbei. Ich hoffe, das ist diesmal auch so. Ich nehme nun nur noch jeden zweiten Tag einmal 37,5 mg Venlafaxin. Auf diese Weise reichen die verbleibenden Kapseln noch für ca. zwei Monate. Und dann bin ich medikamentenfrei. Ich muss nur durchhalten.

Nichtsdestotrotz geht es mir im Moment schlecht. Ich weine oft, ich bin verzweifelt ob meiner derzeiten finanziellen Lage, bin innerlich aufgewühlt, da ich mich wieder vermehrt mit meinen Traumata beschäftige. Ich werde wieder zu meinen Eltern ziehen (müssen), da es finanziell einfach nicht mehr tragbar ist. Alle um mich herum halten das für eine sehr schlechte Idee, ich ehrlich gesagt auch. Aber was bleibt mir denn bitte übrig? Wo ich mich auch hindrehe und wende, es ist überall scheiße. Ziehe ich zu meinen Eltern, bin ich wieder bei meiner Borderline-Mutter. Ziehe ich nicht zurück und bleibe hier, habe ich dermaßen zermürbende finanzielle Not, dass ich mir nicht mal einen Strick zum Aufhängen leisten kann.

Zudem merke ich immer mehr und mehr, dass ich fürs WG-Leben absolut nicht gemacht bin. (an alle, dies noch nicht mitbekommen haben: Ich wohne in einer WG). Ich habe immer Angst, alles falsch zu machen, fühle mich in der Schuld, weil ich von uns allen am wenigsten an Miete zahle, habe immer das Gefühl, dass ich mich wegen allem und jedem rechtfertigen muss etc.

Ich weiß, dass ich mir das alles selbst einrede, da ich so erzogen worden bin. Ich weiß es vom Kopf her. Aber ich kriege es nicht aus mir heraus. Selbst nach zwei Therapien und einem Klinikaufenthalt nicht. Das Gefühl der Schuld und der Angst bleibt immer da. Das kann mir auch keiner ausreden, nicht mal ich selbst. Das verfluchte Gefühl ist immer da. Es wurde mir ja auch 25 Jahre lang sorgsam eingeimpft.

Ich sehe mal wieder keinen Ausweg mehr. Und natürlich mussten gewisse Gedanken mal wieder grinsend angeschlichen kommen und an die Tür klopfen. „Hallo… Es gibt da doch immer noch diese eine Möglichkeit… Die steht dir jederzeit offen“, flüstern sie. Hätte ich nicht S. und J., wäre es mir wohl auch tatsächlich egal…Und da fällt mir dann auch noch auf, dass ich tatsächlich nur noch die beiden habe. Ich hatte einen großen Freundeskreis, aber irgendwann war ich so mit mir selbst beschäftigt, dass ich mich einfach bei keinem mehr wirklich gemeldet hatte. Nicht meine Freunde haben mich verlassen, sondern ich sie… Aber ich bedaure es nicht einmal wirklich. Es wäre im Moment zu anstrengend, weiter so viele Freundschaften zu pflegen. Ich könnte sowieso nichts mit ihnen unternehmen, da mir schlicht das Geld dazu fehlt. Ich kann mir nicht mal zwei Bier leisten in einer Wirtschaft. Welch schönes Leben. Nicht.

Ich bin völlig aufgewühlt, durcheinander, durch den Wind. Ich weiß immer noch nicht, wohin mit mir. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll… und entscheide mich dann doch fürs Weinen. Ich fühle mich kraftlos, am Ende. Und bin es doch nicht, denn ich atme ja weiter. Und gehe weiter zur Arbeit. Und in zwei Wochen wieder an die Uni. Ich weiß nur nicht so genau, wie.

Die Therapie war für die Katz‘.

Hilfe.

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